5. Sinfoniekonzert

Albert Weill
Synagogalgesänge a cappella

Johannes Brahms
Schicksalslied op. 54
Vier ernste Gesänge op. 121

Arnold Schönberg
Ein Überlebender aus Warschau op. 46

Gustav Mahler
Adagio aus der 10. Sinfonie

Am 7. März 1945 wurde Dessaus Innenstadt durch einen britischen Luftangriff zu über 80 Prozent zerstört. 668 Menschen kamen in dem Inferno um. Dem Gedenken an dieses für die Stadt Dessau so schicksalhafte Ereignis widmet die Anhaltische Philharmonie in diesem Jahr erstmals ein Sinfoniekonzert im Rahmen des Kurt-Weill-Festes. Eingeleitet wird es von Synagogen-Gesängen, die Kurt Weills Vater Albert, damals noch Lehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde Eichstätten, als junger Mann 1893 herausgegeben hatte, darunter das jüdische Glaubensbekenntnis Schma Jisrael. Diesen Hymnus verwendet Arnold Schönberg auch in seinem knappen, aber höchst eindrucksvollen Melodram Ein Überlebender aus Warschau, das 1947 unter dem Eindruck des Holocaust entstanden ist. Zwei Werke von Johannes Brahms, zum einen auf einen Text ­Friedrich ­Hölderlins (Schicksalslied), zum anderen auf Bibeltexte stehen im Mittelpunkt des ersten Konzertteils. Die Vier ernsten Gesänge sind eines der letzten Werke des Komponisten, dessen Gedanken mehr und mehr um den Tod kreisten. Und doch, wie auch im Orchesternachspiel des Schicksalsliedes, entlässt Brahms seine Zuhörer nicht ohne Trost. Fragment geblieben ist Mahlers 10. Sinfonie. Nahezu vollendet war bei Mahlers Tod 1911 lediglich das einleitende Adagio in Fis-Dur. Der Satz ist ein erschütterndes Dokument für Mahlers Zerrissenheit zwischen Abgeklärtheit, unbändigem Schmerz und tiefer Resignation.