Opern

Cavalleria rusticana / A Santa Lucia

Cavalleria rusticana Oper in einem Akt, Musik von Pietro Mascagni Libretto von Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci nach dem gleichnamigen Schauspiel von Giovanni Verga
A Santa Lucia Oper in zwei Akten Musik von Pierantonio Tasca Libretto von Enrico Golisciani nach den Neapolitanischen Volksszenen von Goffredo Cognetti

Premiere 1. April 2017, 19 Uhr

Die Liebe ist tot, nun stirbt auch die kleine Rose! Als Pietro Mascagni mit seiner Cavalleria rusticana 1890 einen Kompositionswettbewerb gewann und bei der Uraufführung in Rom triumphal gefeiert wurde, begann der weltweite Siegeszug einer neuen Opern-Strömung, der des ›Verismo‹. Giovanni Verga hatte auf drei-vier Seiten in lakonischer Direktheit eine tragische Geschichte aus einem sizilianischen Dorf skizziert, und Mascagni machte daraus eine weniger als einstündige Oper, die bis zum Platzen mit Leidenschaft gefüllt ist. Zahllose Komponisten orientierten sich an »Cavalleria rusticana«, um ebenfalls Erfolg zu haben. Unter ihnen war nicht nur Leoncavallo mit seinen Pagliacci, sondern auch der junge Komponist Pierantonio Tasca (1864–1934). Er war zwar selbst in Sizilien aufgewachsen, zeigte jedoch in A Santa Lucia die von Armut und täglichem Überlebenskampf gekennzeichnete Welt der größten Metropole Italiens, Neapel. Die Oper kam nicht in Neapel, auch nicht in Rom oder Mailand, sondern in Berlin zur Uraufführung. Die Premiere am 16. November 1892 in der Berliner Kroll-Oper geriet zu einem Erfolg, »wie er seit Mascagnis Cavalleria rusticana hier nicht erlebt worden ist« (so eine Tageszeitung). Die mal mitreißende, mal leidenschaftliche, mal zarte Musik mit ihrem stimmungsvollen Lokalkolorit machte Tasca für einige Jahre zum angesehensten ›jungitalienischen‹ Komponisten in Deutschland neben Mascagni und Leoncavallo.

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

MDR KULTUR zeichnete in Koproduktion mit Deutschlandradio Kultur die Premierenvorstellung auf und sendete live. Am Samstag, dem 22. April, wird die Aufzeichnung von Deutschlandradio Kultur ab 19.05 Uhr bundesweit noch einmal gesendet. In Dessau empfangen Sie Deutschlandradio Kultur auf UKW 97,4 sowie DAB+, Kabel, Satellit, Online oder App. Weitere Informationen finden Sie unter: deutschlandradiokultur.de und mdr.de/kultur

Musikalische Leitung Markus L. Frank, Wolfgang Kluge(ab 29.9.2017)
Inszenierung Holger Potocki
Bühnenbild Lena Brexendorff
Kostüme Katja Schröpfer
Chor Sebastian Kennerknecht
DramaturgieFelix Losert

Cavalleria rusticana
Santuzza, ein junge Bäuerin KS Iordanka Derilova
Turiddu, ein junger Bauer Ray M. Wade, Jr.
Alfio, ein Fuhrmann KS Ulf Paulsen
Lola, seine Frau Cornelia Marschall
Lucia, Turiddus Mutter Rita Kapfhammer

A santa lucia
Ciccillo, ein Fischer Ray M. Wade, Jr.
Rosella KS Iordanka Derilova
Concettina, Ciccillos Schwester Cornelia Marschall
Totonno, Austernhändler, Vater von Ciccillo und Concettina Ks Ulf Paulsen
Maria, Ciccillos Verlobte Rita kapfhammer
Tore Cezary Rotkiewicz
Stimme eines Fischers David Ameln/Norbert Leppin

Opern- und Extrachor des Anhaltischen Theaters Dessau
Kinderchor des anhaltischen theaters Dessau
Anhaltische Philharmonie Dessau

»[...] Dessau kann alle Rollen aus dem Ensemble besetzen. Vor allem Iordanka Derilova beeindruckt als stimmlich überlegene, ausdrucksstarke Tragödin. Neben ihr behauptet sich Rita Kapfhammer in der Doppelfunktion als Mutter Lucia im Rollstuhl und dominante Rivalin. Ray M. Wade, Jr. singt die Liebhaber-Figuren blendend, [...] Starker und anhaltender Applaus für eine bemerkenswerte Opernentdeckung [...].«
Karin Coper (Besuch am 22.4.2017), O-Ton, 22.04.2017

»[...] Regisseur Holger Potocki findet für seine überzeugende Interpretation […] einen ganzheitlich verbindenden Einsatz. […] Ein szenisch eindrucksvoller Abend mit Wow-Effekt. ›Wow‹ ist auch die künstlerische Umsetzung. […] Ganz ohne Gäste stemmt das hauseigene Team diese beiden Werke, allen voran die beiden Damen Iordanka Derilova und Rita Kapfhammer. Kammersängerin Derilova ist eine Sängerdarstellerin erster Güte, überzeugt als Santuzza mit großem Ausdruck in deren Ausbrüchen und gibt die Verzweifelte ebenso enthusiastisch wie die lieblichere Rosella in Tascas Werk, als die sie auch zu großen Lyrismen fähig ist. […]Er [Ray M. Wade, Jr.] [brillierte] mit sattem Schmelz und sicherer Höhe, gab den Turiddu wild entschlossen und den Ciccillo säuselnd-verliebt und zeigt so alle Facetten seines reichen Tenors. […] Die von Sebastian Kennerknecht genau vorbereiteten Damen und Herren [des Opernchores] überzeugen da wie dort und machen den Abend klanglich zu einem ausgewogen-runden Erlebnis. [...] GMD Markus L. Frank spielt beschwingt auf und spornt die Anhaltische Philharmonie zu Höchstleistungen an. […] Er zeigt […] im stellenweise fast sinfonisch angelegten Mascagni so viel Prägnanz wie Gefühl und vermittelt in Tascas Oper durch die eingewebten Tarantella-Rhythmen und Mandolinenklänge stimmungsvoll neapolitanisches Lokalkolorit. […] Genießen Sie diese Symbiose aus bewährtem Gassenhauer und wiederentdecktem Schatz […].«

Jochen Rüth, Der Opernfreund, 2. April 2017, zum ganzen Bericht.


»[...]In musikalischer Hinsicht gab es gestern viel zu entdecken: viel zarte Melodik, gut verarbeitete Motive der Folklore, auch eine interessante Instrumentierung. Sehr berührend: immer wieder Solopassagen für eine melancholische Mandoline. Es gibt sensibel besetzte Passagen, kammermusikalisch-zart, aber auch große dramatische Szenen, volles Orchester, Chor, Solisten — manchmal meint man da auch schon Anklänge der nahenden Moderne zu vernehmen. Das hat sich mir [...] wirklich gut erschlossen. [...] Das Spiel der Anhaltischen Philharmonie […] war für mich das Ereignis des Abends. Klangschön, […] aber wenn nötig ging es auch schroff zu. Es gab schmerzende Eindringlichkeit und eindrucksvoll auch die Sängerinnen und Sänger des Chores. […] Diese Partien haben es in sich! [...] Beeindruckend gesanglich vor allem Rita Kapfhammer mit ihrer tiefen, dunklen Stimme […]. Große Begeisterung am Ende des Premierenpublikums, besonders natürlich für Sänger, Chor, Orchester und Dirigenten.«

Boris Gruhl, MDR Kultur, 2. April 2017, zum ganzen Beitrag.

»[...] Markus Frank und die Anhaltische Philharmonie [sorgen] für ein eindrucksvolles, dramatisch aufwühlendes wie sensibles Klangerlebnis. Auch sängerisch ist die Aufführung auf hohem Niveau. Man kann alle Partien aus dem Hausensemble besetzen. Herausragend die Sopranistin Iordanka Derilova als Santuzza und Rosella, die Mezzosopranistin Rita Kapfhammer als Mama Lucia und Maria sowie der Tenor Ray Wade als Turridu und Ciccillo. Insofern lohnt sich der Besuch dieser Dessauer Produktion für den, der die vergessene Oper Pierantonio Tascas einmal hören möchte.«

Dieter David Scholz, Deutschlandradio Kultur, 3.4.2017, zum ganzen Bericht.

»[…] An Cavalleria rusticana ist zunächst das Bühnenbild zu loben. Lena Brexendorff weiß mit einfachen Mitteln, den Stil der Oper […] darzustellen. […] Perfekt für die Mitglieder des Dessauer Ensembles, sich dem emotional überhitzten Liebesdrama […] hinzugeben. Hierbei überzeugt besonders das beliebte ›Intermezzo‹, sehr gefühlvoll interpretiert von den Musikern […]. Bravourös meistern Solisten und Chor die schwierig komponierten Passagen. […] Musikalisch berührt das Werk mit seiner zarten Melodik, die neben Motiven der Folklore und solistischen Passagen für Mandoline, Oboe und Klarinette auch große Szenen für Orchester und Chor enthält. […] Die mittellose Rosella [wird] exzellent verkörpert von Kammersängerin Iordanka Derilova […]. Mit geradezu schmerzhafter Emotionalität verzaubern die Solisten das Publikum. Der Regie gelingt es anhand einer eingespielten Traumvision geschickt, die Handlungen beider Opern zu verknüpfen. Eine Inszenierung, die mit ihrem schlichten Bühnenbild und hervorragenden Solisten zu überzeugen weiß. Das Publikum honorierte das mit tosendem Applaus. Das Experiment der Doppelpremiere ist gelungen.«

Franziska Olschewski, Mitteldeutsche Zeitung, 4. April 2017.

»[…] Ray M. Wade verbindet einen kraftvollen Tenor mit sicherer Kontrolle der Tonbildung, Dynamik und Emission. Im großen Liebesduett im Zentrum von A Santa Lucia, das mit Sternen und Kuss, aber auch der musikalischen Lyrik an den weltenthobenen Dialog von Otello und Desdemona in Verdis Oper erinnert, demonstriert Wade, wie er expressive Zwischentöne gestalten kann. […] Mit Rita Kapfhammer hat das Theater in Dessau eine Sängerin, die ausgezeichnete Stimmkultur einsetzt, um Persönlichkeiten auf die Bühne zu stellen: Ihre Mamma Lucia […] braucht nur wenige Gesten, nur feine Schattierungen in der Farbe des Tons, um psychologisch genau zu charakterisieren. […] Der neue Dessauer GMD hat sich der Partitur Tascas mit genauem Blick genähert, webt die Stimmungsumschwünge in den Fluss der Musik ein, hebt mit den Solisten des Orchesters die reizvollen Details in der Instrumentierung und die koloristischen Feinheiten heraus. […]«

Werner Häußner, der neue merker, 6. April 2017


»Zwischen beiden Opern gibt es nicht nur musikalisch viele Gemeinsamkeiten, die Markus L. Frank mit der Anhaltischen Philharmonie auf ganz besondere Weise […] herausarbeitet. In seiner stringenten Inszenierung, die in der sehr differenzierten Personenführung auf wahrhaftige Leidenschaften setzt, findet Holger Pototzki eine interessante dramaturgische Klammer. […] Voll knisternder Spannung zeigt Pototzki, wie von Minute zu Minute die Beziehungen zwischen Santuzza, Turiddu, Alfio und Lola eskalieren und Mamma Lucia im Rollstuhl nichts dagegen tun kann. Die Szeniereie von Lena Brexendorff […] wird durch vom Opernchor herausragend gesungene Chöre […] ganz im Sinne des Verismo bestimmt. […] Was die Solisten des Opernensembles an Überzeugungskraft im Spiel, vor allem aber im Sängerischen, aufbieten, ist hoch zu loben, allen voran mit tenoralem Glanz Ray M. Wade Jr. […] und ganz besonders Iordanka Derilova […]. Ein beeindruckender Opernabend […].«

Herbert Henning, orpheus, Mai/Juni 2017