222. Spielzeit 2016/17

Oper

Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte

Kammeroper von Michael Nyman Text von Oliver Sacks, Christopher Rawlence und Michael Morris Nach einer Erzählung von Oliver Sacks

Premiere 13. Mai 2017, 20 Uhr (Studio)
SOIRée 2. Mai 2017, 18.30 Uhr (Altes Theater/Foyer)

Für alles singt er sich selbst ein Lied vor. So geht das immer, Anziehlied, Badelied, Essenslied. Michael Nymans Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte entstand nach einer Erzählung des britischen Neurologen Oliver Sacks, in der er eine seltene Hirnkrankheit und ihre Folgen für den Pa­tienten beschrieb. Der Patient Dr. P., ein Sänger und Gesangs­lehrer, hat zunehmend Schwierigkeiten, Gesichter zu erkennen. Diagnostiziert wird bei ihm eine visuelle Agnosie: Er nimmt Strukturen wahr, hat aber die Fähigkeit verloren, das Gesehene seinem Sinn und Nutzen nach einzuordnen. Dr. P. sieht seine Umwelt auf bizarre Weise anders als die anderen – eine Welt voller geometrischer Formen und Farben, die er jedoch nicht als Dinge des alltäglichen Lebens erkennen kann. Der britische Komponist Michael Nyman (geb. 1944) ist vor allem durch seine Filmmusiken bekannt geworden, u. a. für Jane Campions Das Piano und die Filme von Peter Greenaway. Seine Musik gehört zur ›minimal music‹ und verarbeitet u. a. Ele­mente von Barockmusik. In den Ohren der Zuschauer kommt sie mal als wohlklingend sanfte, mal mitreißend rockige Mu­sikmaschine an. In der Kammeroper nach dem Bestseller von Oliver Sacks spielen die Lieder von Robert Schumann eine zen­trale Rolle.

In deutscher Sprache


Musikalische LeitungLaura Bos
Inszenierung Jana Eimer
Dramaturgie Felix Losert
Kostüme Steffen Gerber
Bühne Nicole Bergmann

Mrs. P. Cornelia Marschall
Dr. S. David Ameln
Dr. P. Kostadin Argirov

Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie Dessau


[…] So sind es die Töne und Klänge, die Dr. P. helfen, die Dinge des Alltags gemeinsam mit seiner Frau, vorzüglich gespielt von Cornelia Marschall, zu bewältigen. In deutscher Sprache geht die Inszenierung von Jana Eimer in gut 75 Minuten über die kleine Bühne. Überhaupt ist es erstaunlich, was Bühnenbildnerin Nicole Bergmann da erschaffen hat. […] Es steht die Frage im Raum: Wie erlebt der Mensch die Krankheit? – und nicht: Welche medizinischen Diagnosen stellt der Arzt? Schön zu sehen, wie Kostadin Argirov wieder zum Kind wird und Seifenblasen bläst, aber auch, wie ihn die Musik zurückholt und er tänzelnd und träumend mit geschlossenen Augen dirigiert. Cornelia Marschall brilliert als Ehefrau und Mitfühlende, die dem Arzt (David Ameln) erklärt, wie ihr Mann mit der Musik durch das Leben geht. […] Die Zuschauer sind sehr zufrieden und spenden reichlich Applaus.

Franziska Olschewski, Mitteldeutsche Zeitung, 16. Mai 2017.