222. Spielzeit 2016/17

Oper

Der Troubadour

(Il trovatore)

Musik von Giuseppe Verdi
Text von Salvadore Cammarano und Leone Emanuele Bardare
nach Antonio García Gutiérrez

»Räche mich!« Giuseppe Verdis Troubadour gehört zu den großen Opernklassikern. Berüchtigt ist er für die vier höchst anspruchsvollen Hauptpartien, am Anhaltischen Theater werden sie von Iordanka Derilova, Rita Kapfhammer, Leonardo Gramegna und Ulf Paulsen übernommen. Niemand anderer als der instinktsichere Maestro Verdi selbst suchte das düstere, von unerwarteten Wendungen geprägte Drama El trovador seines spanischen Zeitgenossen García Gutiérrez aus. Verdi fühlte sich von der

KS Ulf Paulsen, KS Iordanka Derilova
Rita Kapfhammer, Leonardo Gramegna
»Neuartigkeit und Bizarrerie« des Stoffes inspiriert und konnte schließlich für das ganze Spektrum menschlicher Leidenschaften von Liebe und Eifersucht bis hin zu Hass und Verzweiflung eine Musik finden, die ihr Publikum förmlich wie der Blitz trifft. Was Verdi hier wollte, war die reine Essenz der stärksten Gefühle zu zeigen, zu denen Menschen fähig sind – übertragen in eine schier vor Kraft berstende Musik. Der melodische Reichtum des Trovatore reicht vom ersten bis zum letzten Takt der Oper.

Unausweichliches Schicksal, Mord, Rache, Schuld und Tod – das sind Themen der ›Schwarzen Romantik‹ des frühen 19. Jahrhunderts, und sie prägen die düstere, von bedrohlichem Feuerschein erhellte Welt des Troubadour. Inmitten eines fürchterlich wütenden Bürgerkriegs ringen zwei Männer – der Troubadour Manrico und Graf Luna – blind und verbissen um eine Frau, Leonora. Dass sie Marionetten der furchtbaren Rache einer anderen Frau sind, ahnen sie nicht. Für den einen ist diese Frau – Azucena – die geliebte Mutter, für den anderen eine furchterregende Hexe. Erst als Azucenas Rache ihr Ziel erreicht hat und die Katastrophe unausweichlich ist, deckt sie ein Geheimnis auf, das die verfeindeten Männer aneinander kettet: Sie sind Brüder.

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Wiederaufnahme: 21. Mai 2017, 17.00 Uhr




Musikalische Leitung Wolfgang Kluge
Inszenierung Rebekka Stanzel
Bühnenbild und Kostüme Markus Pysall
Chor Sebastian Kennerknecht
DramaturgieFelix Losert

Leonora, Gräfin von SargastoKS Iordanka Derilova
Inez, deren VertrauteCornelia Marschall/Gerit Ada Hammer
Graf LunaKS Ulf Paulsen
Ferrando, Hauptmann im Heer LunasDominic Barberi
Azucena, eine ZigeunerinRita Kapfhammer
Manrico, OffizierLeonardo Gramegna/Ray M. Wade, Jr.
Ruiz, Manricos Vertrauter/Ein BoteDavid Ameln/Leszek Wypchlo

Anhaltische Philharmonie Dessau
Opernchor des Anhaltischen Theaters Dessau
Extrachor des Anhaltischen Theaters Dessau

Pressestimmen

„Eigentlich könnte das Ganze auch „Azucenas Rache“ heißen. Was an Verdi, aber in Dessau auch an Rita Kapfhammer liegt. Mit ihrer grandiosen, tragisch umflorten, dabei auch mit leisen Tönen durchdringenden Azucena krönt sie ein Protagonisten-Ensemble, das an die Verdi-Hochzeiten des Hauses unter dem langjährigen Nachwende-Intendanten Johannes Felsenstein erinnert. Als Gast verstärkt Leonardo Gramegna als mühelos schmetternder und in keinem Ton gefährdeter Manrico das hauseigene Ensemble. Ulf Paulsen ist wie immer mit vollem Einsatz als Luna dabei, lässt im zweiten Teil auch jeden Anflug von Angestrengtheit hinter sich und Iordanka Derilova zügelt ihre hochdramatische Stimme gerade so viel, dass eine überzeugende Leonora dabei herauskommt. Erfreulich, dass auch die kleinen Rollen (André Eckert als Fernando, David Amlen als Ruiz und Cornelia Marschall als Inez) sorgfältig besetzt und der mit Extrachor aufgestockte Opernchor von Sebastian Kennerknecht bestens einstudiert worden sind. Da der Dessauer Kapellmeister Wolfgang Kluge am Pult dafür sorgt, dass die Anhaltische Philharmonie ihre ganze Verdi-Affinität aufbietet und es auch mal richtig knallen lässt, ist die musikalische Überzeugungskraft des Abends enorm und wird vom Publikum gleich zwischendrin und dann am Ende reichlich gewürdigt.“

neue musikzeitung, 24.1.2016 Ganzen Artikel lesen


„Rita Kapfhammers farbenreicher Mezzo ist wie gemacht für die Zigeunerin Azucena. Er verfügt über eine bedrohliche Tiefe und an Wahn erinnernde Höhe, ihr gelingen bezaubernde, zu Tränen rührende Pianissimi und dank ihres intensiven Spiels auch das intensivste und überzeugendste Rollenportrait des Abends. Da versteht man, warum Verdi die Oper eigentlich „Azucena“ nennen wollte.“

deropernfreund.de, 24.1.2016 Ganzen Artikel lesen


„Wenn aber die richtigen Sänger beisammen sind und sich auf der Bühne und im Graben alle auf Verdi einlassen, funktioniert das trotzdem. So wie jetzt am Anhaltischen Theater in Dessau.“

Mitteldeutsche Zeitung, 25.01.2016


"Der frenetische Jubel, der am Freitagabend im Anhaltischen Theater ausbrach, als Iordanka Derilova (Leonora), Ulf Paulsen (Graf Luna), Rita Kapfhammer (Azucena) und Leonardo Gramegne (Manrico) an der Rampe traten, machte deutlich, dass dieses Quartett seine Sache mehr als gut gemeistert hatte. Und das durchweg ohne Anlaufschwierigkeiten. Sofort herrschte eine stimmliche Präsenz, die bis zum tragischen Finale Bestand hatte. [...] Rebekka Stanzel (Inszenierung) und Markus Pysall (Bühnenbild/Kostüme) hatten sich entschieden, die Protagonisten in eine sehr minimalistische Landschaft zu versetzen. [...] Der Nüchternheit den Vorzug zu geben, dieser Entschluss war stimmig, weil sich so Augen und Ohren ganz aufs Geschehen konzentrieren konnten, das Menschen in extremen Situationen zeigte."

Zerbster Volksstimme, 25.1.2016

»[…] Am Dirigentenpult steht Wolfgang Kluge [...]. Er führt die Anhaltische Philharmonie Dessau mit starker, kräftiger und zupackender Hand, ist aber auch in der Lage, die Wogen des Orchesters bei den ruhigeren Gesangspassagen sängerfreundlich etwas zurückzunehmen. Der Opernchor […] ist immer präsent, ausdrucksstark, kraft- aber auch gefühlvoll. […] Als Leonora erlebt man Kammersängerin Iordanka Derilova. […] Eine nicht nur überzeugende, sondern eine beeindruckende Leistung. Darstellerisch kann ihr nur eine noch das Wasser reichen und das ist […] Mezzosopranistin Rita Kapfhammer. [...] Ihre farbenreiche, tiefe und dunkle Stimme, die sie in allen Facetten erstrahlen lassen kann, lässt zuweilen Schauer über den Rücken kriechen. […] Eine exzellente Leistung […]. Völlig unangestrengt, endlos kraftvoll, alles durchdringend und mit einem durchhaltungsfähigen und ausdrucksstarken Prachtbariton weiß […] Kammersänger Ulf Paulsen […] in jeder Weise zu überzeugen. […] Neu in der Wiederaufnahme ist […] Tenor Ray M. Wade, Jr., der den Manrico gibt. […] Sein warmer, geschmeidiger und hell timbrierter Tenor weiß mit kraftvollem Forte und leichtenden Spitzentönen, wie auch mit dem Zurücknehmen der Stimme für sich einzunehmen. Insgesamt stehen hier vier ausgezeichnete Vertreter ihrer Gattung auf der Bühne […].«

Manfred Drescher, der opernfreund, 29.5.2017

»Rita Kapfhammer gibt dieser Azucena nicht nur stimmliche Brillanz mit voluminöser Tiefe und gleißender Höhe. [...] Eine prächtige Leistung ist von Iordanka Derilova als Leonara zu hören. Da sind die durchschlagenden, strahlenden Spitzentöne im Schluss-Terzett des ersten Aktes. [...] Überragend auch Ulf Paulsen als Graf Luna mit wuchtigem Bass-Bariton in der Tiefe [...] Zehn Minuten stehende Ovationen für einen prächtigen Opernabend.«

Thomas Starost, Main-Post, 22. Juni 2017.