222. Spielzeit 2016/17

Schauspiel

Faust. Der Tragödie erster Teil

von Johann Wolfgang von Goethe

Premiere 12. Mai 2017, 19 Uhr | Großes Haus

Dass ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält Faust. Nationalheiligtum der Deutschen und Dichtung der Superlative. Das meistzitierte Theaterstück im deutschen Sprachraum und im Wortsinn ein Lebenswerk. Begonnen im Alter von 21, beendet Goethe seine Arbeit daran in seinem 82. Lebensjahr – kurz vor seinem Tod. Es sind weitreichende und schwer zu beantwortende ›letzte‹ Fragen um Liebe, Wahrheit, Willensfreiheit, Verantwortung, Gut und Böse, die Goethe in seinem Faust berührt. Der Gelehrte, Forscher und Wissenschaftler Faust strotzt vor Ungeduld und Unzufriedenheit, und er ist beherrscht vom unbedingten Wollen, im geistigen wie im sinnlichen Leben. Nicht zuletzt hadert er mit sich, weil er die alles erklärende Formel, das Gesetz, das die Welt im Innersten zusammenhält nicht finden kann. Denn er ist auf der Suche nach nichts Geringerem als dem Göttlichen. Doch zu welchem Preis? In dieser opulenten Inszenierung, die die zahlreichen Gestaltungsmittel der unterschiedlichen Sparten des Anhaltischen Theaters vereint, spielt auch Musik eine entscheidende Rolle. Melodie und Rhythmus, Schauspiel, Puppenspiel, Gesang und Tanz schaffen Atmosphäre und spannen auf sinnliche und unterhaltsame Weise den Bogen von höchster Frivolität zu tiefstem Kummer in diesem Spektakel zwischen Himmel und Hölle.

Die Produktion Faust. Der Tragödie erster Teil wurde realisiert aus Mitteln des Theaterpreises des Bundes 2015.


Inszenierung K.D. Schmidt
Bühne Jürgen Lier
Kostüme Sabine Böing
Musik und SounddesignSmoking Joe
VideoSebastian Purfürst
ChoreografieHannah Ma
Chorleitung Sebastian Kennerknecht
DramaturgieAlmut Fischer, Raphaela Groh
PuppenbauKerstin Dathe
KameraAndré Störiko

Faust 1Christel Ortmann
Faust 2Dirk S. Greis
Faust 3Andreas Hammer
Fausts Seele ( Marionette)Uta Krieg
MephistophelesSven Brormann
MargareteMirjana Milosavljević
MartheIlli Oehlmann
WagnerGerald Fiedler
LieschenIlli Oehlmann
ValentinGerald Fiedler
Stimme HerrIlli Oehlmann
Das göttliche KindPiotr Kajdanski/Theodor Picek
HexeIlli Oehlmann
Stimmen Auerbachs KellerDirk S. Greis, Gerald Fiedler, K.D. Schmidt, Tizian Steffen

Prolog im Himmel, Vor dem Tor, Hexenküche, Am Brunnen, Nacht, Dom, Walpurgisnacht, Anmutige Gegend Opernchor des Anhaltischen Theaters Dessau
Prolog im Himmel, Vor dem Tor, Auerbachs Keller in Leipzig, Hexenküche, Walpurgisnacht, Kerker, Anmutige Gegend Ballettensemble des Anhaltischen Theaters Dessau


»Wir haben […] dieses Theaterwunder erlebt, dass das Bühnengeschehen die Zuschauer wirklich komplett in seinen Bann gezogen hat, also mal ganz groß gesagt: Magie. Die Kraft des Theaters. Das lässt sich nur schwer beschreiben, aber gestern ist es passiert […]. Auf diesen Handlungsstrang [Anm.: die Gretchen-Tragödie] konzentriert sich Regisseur K.D. Schmidt nach der Pause, und das gelingt ihm so beeindruckend, dass man am Ende […] weltvergessen mitfiebert und kaum noch dran denkt, dass man eigentlich in einem Theater sitzt […]. Am Ende des Stückes agieren alle zusammen auf der Bühne, und das ist kongenial […]. Das ist ein Gänsehaut-Moment, an dem natürlich auch Mirjana Milosavljević […] großen Anteil hat. […] Illi Oehlmann spielt die Nachbarin Marthe Schwerdtlein und gibt sie als lustige Witwe, sie gibt dem Affen richtig Zucker. Das ist herrliches Boulevardtheater, eine Screwball-Komödie mitten in der großen Tragödie. Da lacht der Saal und auch das ist ja mal schön zu erleben im klassischsten aller Klassiker.««

Matthias Schmidt, MDR Kultur, 13. Mai 2017, zum ganzen Bericht.

»Recht flott, manchmal auch grell und mit deutlichem Zeitbezug auf banale Freizeitspäße und marodierende Wutbürger, ging dieser Faust über die Bühne […] Dass die Gretchen-Tragödie den Mittelpunkt des Abends bildet, versteht sich. Mirjana Milosavljević spielt ihren Part mit schönem Selbstbewusstsein […] Ein insgesamt sehenswerter Abend – mit vier Fäusten und einem Halleluja […].«

Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 15. Mai 2017.

»Die Dessauer […] treiben das starke Stück rasant voran. Nach weniger als drei Stunden […] können sich vorrangig Mirjana Milosavljević als peinigend anrührende Margarete und Andreas Hammer […] frenetisch feiern lassen. Beide stehen an der Spitze einer überzeugenden Leistung des Ensembles, das den sich ins Unermessliche zu erstrecken scheinenden Bühnenraum […] mit Spannung zu füllen versteht. […] Und selbstverständlich lassen sich auch treffliche Streitgespräche ausfechten […]. Aber bitte nicht aus der Distanz, sondern erst nach direkter Inaugenscheinnahme. Bei diesem Faust lohnt es sich allemal.«

Andreas Behling, Zerbster Volksstimme, 17. Mai 2017, zum ganzen Bericht.

»[…] Eröffnet wird die aktuelle Faust-Inszenierung stark und eindringlich. Die Videoeinspielungen von Sebastian Purfürst sitzen, die Musik von Smoking Joe treibt, der riesige Bühnenraum ist minimalistisch und opulent ausgenutzt, der Chor ist brillant […]. Hinfort ist der Staub der Jahrhunderte, die Substanz des Stoffes brennt, die Assoziationsketten fließen. [...]«

Mathias Schulze, FRIZZ, Juni 2017