223. Spielzeit 2017/18

Schauspiel

Gas — Plädoyer einer verurteilten Mutter

Monolog von Tom Lanoye
Deutsch von Rainer Kersten

Premiere 30. September 2017, 20 Uhr, Studio

Ein Giftgasanschlag in der U-Bahn, bei dem 184 Menschen, darunter 70 Kinder ums Leben kamen. Der Attentäter wurde von der Polizei erschossen.

In diesem Monolog spricht die Mutter des Täters. Sie erzählt von seiner Geburt, Kindheit und Jugend, von den Talenten und Eigenheiten ihres toten Kindes. Sie versucht, die Beziehung zu ihrem Sohn, ihre Liebe zu ihm in Worte zu fassen. Sie will kein Mitleid, kein Verständnis, sie will herausfinden, wie er ihr abhanden gekommen ist, warum sie ihn an eine tödliche Ideologie verloren hat. Darf sie überhaupt trauern, sie, die nun mit der Verurteilung leben muss, dass andere Mütter durch sie ihre Kinder verloren haben? Ist sie eines seiner Opfer oder als Mutter des Täters mitverantwortlich für seine Taten? Hinter all diesen Fragen findet sie nur das Unerklärliche.

Mit Gas legt der flämische Autor Tom Lanoye einen Text vor, der die unerträgliche Last eines Terror-Anschlags einer einzelnen Frau aufbürdet und die Mutter des Attentäters mit der Tat ihres Sohnes konfrontiert. Der Autor, der bereits mit Klassiker-­Adaptionen wie dem Shakespeare-Marathon Schlachten! oder Mamma Medea internationale Aufmerksamkeit erregte, schrieb das Stück kurz vor den Anschlägen von Brüssel 2016. Unmittelbar danach wurde es beim Heidelberger Stückemarkt als eine »nahezu hellseherische Beschreibung einer nun realen Situation« gewürdigt. Das Anhaltische Theater Dessau wird den Monolog kurz nach seiner deutschen Erstaufführung auf die Bühne bringen und das Publikum mit der Frage konfrontieren: »Könnte das auch mein Kind sein?«



Inszenierung Georg Florian
Bühne und Kostüm Nancy Ungurean