223. Spielzeit 2017/18

Geschichte

1766 In diesem Jahr beginnt das segensreiche Wirken Friedrich Wilhelm Rusts (1739-1796) für die Stadt Dessau und den Hof der Dessauer Fürsten. Anfänge einer Hofkapelle im heutigen Sinne.

1770 Erste Abonnementskonzertreihe unter der Leitung von Friedrich Wilhem Rust.

1773 Das Wörlitzer Schloß wird mit einer Festmustik von Friedrich Wilhelm Rust eingeweiht.

1777 Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff läßt ein Theater innerhalb des herzoglichen Schlosses errichten. Eröffnung am 6. März mit Anton Schweitzers "Die Dorfgala" durch die in der "gesellschaftlichen Bühne" vereinten Liebhaber.

1779 Am 6. September eröffnet die Schauspielgesellschaft Joseph Bellomos einen Zyklus von "Schau- und Lustspielen sowie komischen Opern" in der "alten Orangerie".


1794 Vom Dessauer Fürstenhaus für eine Saison verpflichtet, eröffnet Friedrich Wilhelm Bossan mit dem Singspiel "Das rothe Käppgen" von Karl Ditters von Dittersdorf am 31.07. mit seiner Theatergesellschaft in der "Hochfürstlichen Reitbahn" einen regelmäßgen Spielbetrieb in Dessau. Am 11.08. wird Mozarts "Zauberflöte" zum ersten Mal in Dessau aufgeführt.

1796 Konrad Jacobi, Mitglied der Bossanschen Truppe, übernimmt nach dem Tod von Friedrich Wilhelm Rust die musikalische Oberleitung

1797 Drei Dessauer Erstaufführungen von Mozart-Opern: 5. Februar: "Don Giovanni" 4. Juli: "Die Entführung aus dem Serail" 17. September: "Die Hochzeit des Figaro"

1798 Fürst Leopold Friedrich Franz verpflichtet den Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff zum Bau eines Theaters. Das Haus wird mit der Oper "Bathmendi" des neu engagierten Intendanten Freiherr Carl August Ludwig von Lichtenstein am 2. Weihnachtsfeiertag eröffnet.
Lichtenstein orientiert das Theater – stärker als Bossann – auf die Oper. Sein Konzept geht jedoch nicht auf. Nach einem finanziellen Desaster, das Lichtenstein mit einem musikalischen Gastspiel in Leipzig verursachte, wird die Leitung des Theaters wieder an Bossann übergeben.

1805 Unter dem Pseudonym Herzberg debütiert ein junger Schauspieler in Dessau. Karl Immermann behauptet später von ihm: "Das ist der größte Schauspieler, den es gibt, gegeben hat und geben wird." Sein bürgerlicher Name ist Ludwig Devrient. Vier Jahre später wird der junge Mann – weil er sich in Dessau nicht ausgelastet fühlt - kontraktbrüchig und flieht nach Breslau.

1810 In den Wirren der Napoleonischen Kriege, die sich inzwischen auch auf ganz Deutschland erstrecken, muss das Theater geschlossen werden. Bossann und Jacobi gründen eine Theatervereinigung, die bis 1813 besteht.

1813 Bossan erkrankt beim Lazarettdienst in der Völkerschlacht bei Leipzig an Typhus und verstirbt.

1815 Nach beinahe sechsjähriger Pause wird vom Dessauer Hof erneut eine fahrende Schauspielergesellschaft engagiert. Ihr Direktor August Wilhelm Breede muss jedoch mit einem wesentlich reduzierten Etat auskommen. In den kommenden drei Jahrzehnten wechselt die Leitung des Hauses ganze 16 mal. Lediglich die Hofkapelle unter der Leitung von Leopold Karl Reinecke leistete kontinuierliche Arbeit.

1817 Erweiterung des Theaterbaus um eine klassizistische Säulenfassade durch Carlo Ignazio Pozzi.


1821 Der Komponist Friedrich Schneider übernimmt die Leitung der Hofkapelle. Er setzt neue wesentliche Akzente im Dessauer Musikleben. Zusammen mit dem Dichter Wilhelm Müller gründet er zur Belebung der Dessauer Chorbewegung "Elbmusikfeste".

1822 Die herzogliche Hofkapelle wird auf 41 Mitglieder erweitert. Am 17.05. findet die Einweihung des Konzertsaales im Theater mit Ludwig van Beethovens "Eroica" statt.

1823 Am 19.02. wird "Der Freischütz" zum ersten Mal in Dessau aufgeführt. Richard Wagner stattet dem Dessauer Theater anlässlich eines Musikfestes, das von Friedrich Schneider geleitet wird einen Besuch ab.

1827 Das Theater wird erneut geschlossen. Während der Schließung erhält das Theater sein erstes Heizungssystem.

1829 Niccolo Paganini gibt am 26. Oktober ein Konzert am Dessauer Hoftheater.

1837 Am 9. Dezember erlässt Hofkapellmeister Schneider einen Aufruf zur Gründung eines "feststehenden" Theaterchores.

1841 Unter dem Intendanten Michael Greiner bildet sich das erste Ensemble fest engagierter Künstler. Damit wird die Zeit der "reisenden Gesellschaften" am Dessauer Hoftheater beendet.


1851 Mit Richard Fricke wird in Dessau der erste Ballettmeister engagiert. Bis 1865 führt er in fast jeder Spielzeit ein Ballett auf. Fricke wurde von Richard Wagner auch zur Einrichtung der ersten "Bayreuther Festspiele" herangezogen.

1852 Die herzogliche Verwaltung übernimmt das Theater, das bis dahin unter der eigenverantwortlichen Leitung der Theaterdirektoren stand.

1855 Bei einem Brand am 7. März wird der gesamte Theaterbau vernichtet.


1856 Am 26.10. wird das Theater mit der Oper "Robert der Teufel" von Giacomo Meyerbeer wiedereröffnet.

1857 Hofkapellmeister Eduard Thiele führt mit dem "Tannhäuser" die erste Oper Richard Wagners in Dessau auf. Thiele, dem Wagners Werk sehr nahe stand, führte 1867 auch den "Lohengrin", 1869 – sieben Monate nach der Uraufführung – die "Meistersinger" und noch im November des gleichen Jahres den "Fliegenden Holländer" auf.

1872 Richard Wagner sieht im Theater eine Aufführung von Glucks Oper "Orpheus" anzusehen. Dass man anstelle der Orpheus-Ouvertüre das C-Dur des "Meistersinger – Vorspiels" zu Ehren des Gastes gab und bevor noch Orpheus und Eurydike die Bühne betraten, der "Wach-auf-Chor" erklang, schmeichelte Wagner. In einem Artikel spiegelt sich das so wieder: "Ich bezeuge laut, nie eine edlere und vollkommenere Gesamtleistung auf einem Theater erlebt zu haben, als diese Aufführung."

1876 Die ersten "Bayreuther Festspiele" finden unter Beteiligung von 13 Musikern der Dessauer Hofkapelle statt.

1882 August Klughardt übernimmt die Leitung des Orchesters.

1886 Die Continental-Gasgesellschaft rüstet das Theater mit einer elektrischen Lichtanlage aus.

1893 Erste geschlossene Aufführung von Richard Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" in Dessau .

1894 Cosima Wagner wird von Musikdirektor August Klughardt zu einer Inszenierung von Humperdincks "Hänsel und Gretel" eingeladen. Nach einer Probenzeit von acht Tagen hat das Werk am 30. November 1894 in Anwesenheit des Komponisten seine Dessauer Premiere. Aus diesem Anlass und als Huldigung an das Fürstenhaus Anhalt ließ Humperdinck die Oper mit dem "Dessauer Marsch" schließen.

1902 Nach dem Tod August Klughardts übernimmt Franz Mikorey die Leitung des Orchesters

1910 Die erste Aufführung beider Teile von Johann Wolfgang von Goethes "Faust" wird durch Vereinigung aller Kräfte des Hoftheaters zu Wege gebracht. Schauspiel und Musiktheater hatten sich inzwischen separiert und wurden hier noch einmal für das große Ziel vereinigt.

1918 Das Hoftheater wird im Zuge der revolutionären Umgestaltungen in Deutschland vom Fürstenhaus in eine Stiftung überführt und heißt nun "Friedrich - Theater". Zur Finanzierung des Hauses erhält die Stiftung eine Reihe von Liegenschaften aus dem Besitz des herzoglichen Hauses. Hans Knappertsbusch wird Opern- und Generalmusikdirektor in Dessau.

1922 Durch einen Defekt im Heizungssystem wird das "Friedrich – Theater" bis auf seine Grundmauern vernichtet. Die Sängerin Lilly Herking und ein Friseurgehilfe werden Opfer der Flammen.


1923 Mit dem Engagement der Stiftung wird die "Reitbahn" zum zweiten Mal Theaterspielstätte. Sie wird es über 15 Jahre bleiben. Franz von Hoeßlin übernimmt die Leitung des Orchesters.

1927 Konzertsaal und Café werden im alten "Friedrich-Theater" eröffnet. Arthur Rother wird Chefdirigent des Orchesters.


1928 Mit der Eröffnung des Bauhauses in Dessau greifen dessen künstlerische Konzepte auch auf die Dessauer Bühnenarbeit über. Am 4. April inszenierte Wassily Kandinsky im Rahmen der "Jungen Bühne" Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" als bewegtes Bühnenbild.

1931 Am 17.01.1931 findet die erste Aufführung der "Dreigroschenoper" in Dessau statt

1934 Das Theaterkuratorium wird unter der Leitung von Gauleiter Wilhelm Friedrich Loeper neu geordnet. Helmut Seidelmann übernimmt für 17 Jahre die Orchesterleitung.

1935 Von 251 eingereichten Entwürfen im Rahmen eines Architekturwettbewerbes zur Errichtung eines neuen Theaterbaus kann vor dem Kuratorium keiner bestehen. Von Stadthalter Wilhelm Friedrich Loeper wird der Berliner Architekt Friedrich Lipp beauftragt einen Entwurf zu erarbeiten, der dann in dreijähriger Bauzeit umgesetzt wird.

1938 Am 29. Mai 1938 wird das neue Theatergebäude in Anwesenheit von Adolf Hitler und Joseph Goebbels unter dem Namen "Dessauer Theater" eröffnet. Nach Beethovens "Weihe des Hauses" und einer Ansprache von Joseph Goebbels wird Carl Maria von Webers "Freischütz" aufgeführt.

1944 Am 28. und 30. Mai 1944 wird das Theater bei einem Luftangriff schwer getroffen. Der Spielbetrieb muss eingestellt werden. Durch weitere Bombentreffer im März des Jahres 1945 wird fast das gesamte Bühnenhaus zerstört.

1945 Aufgefordert von der sowjetischen Militäradministration wird von den verbliebenen Theaterleuten ein neuer Proben- und Aufführungsraum gefunden und man beginnt bereits im November des Jahres 1945 wieder mit der Probenarbeit. Am 17.12. findet die erste Aufführung von Beethovens "Fidelio" im Kristallpalast statt.

1949 Nach zweijähriger Wiederaufbauarbeit kann im August 1949 der Vorhang zu Mozarts "Zauberflöte" im "Anhaltischen Landestheater Dessau" wieder aufgehen. Intendant Willy Bodenstein wird mit der Leitung des Hauses betraut.

1950 Auf der Bühne des Dessauer Theaters wird unter Vorsitz von Hilde Benjamin der erste politische Schauprozess der DDR inszeniert.

1951 Die Theaterstiftung, in der dem Theater umfangreiche Ländereien und Grundstücke zugeordnet waren, wird während der Enteignungswelle der Bodenreform aufgelöst.

1952 Erich Riede wird musikalischer Oberleiter.

1953 Erste Richard-Wagner-Festwochen in Dessau. Die Wagner-Festwochen werden bis 1965 zu einem bestimmenden Faktor des Dessauer Kulturlebens.

1954 Heinz Röttger übernimmt die musikalische Oberleitung. Er prägt über mehr als zwei Jahrzehnte die Entwicklung des Dessauer Musiklebens. Besonderen Wert legt er auf die Aufführung zeitgenössischer Werke, zu denen auch seine eigenen Kompositionen gehören.

1968 Willy Bodenstein geht in den Ruhestand und übergibt die Amtsgeschäfte des Intendanten an Karl Schneider. Unter Schneider bekommt vor allem das Schauspiel neue Impulse.

1973 Herbert Keller wird neuer Intendant des Landestheaters Dessau. Unter seiner Leitung werden zwei neue Spielstätten erschlossen. Im Erdgeschoss eröffnet ein Studio mit ca. 80 Plätzen.

1976 Auf der Bühne des wiedereröffneten Bauhauses finden regelmäßig Inszenierungen des Dessauer Theaterensembles statt. Insbesondere das Engagement des Schauspielers und Regisseurs Karl Thiele trägt dazu bei, dass bis 1985 fast die Hälfte aller Aktivitäten auf der Bauhausbühne durch das Schauspielensemble des "Landestheaters Dessau" getragen wird.

1977 Nach dem Tode Heinz Röttgers übernimmt Manfred Hänsel die musikalische Oberleitung.

1982 Wolfgang Wappler wird Chefdirigent des Dessauer Orchesters.

1983 Die Intendanz von Herbert Keller endet. Der bisherige Operndirektor, Peter Gogler, wird neuer Intendant.

1985 Hans-Jörg Leipold übernimmt die Leitung des Orchesters.

1992 Johannes Felsenstein übernimmt die Generalintendanz des Theaters. Mit seiner Einsetzung wechseln auch die Spartenleiter. Schauspieldirektor wird der gebürtige Dessauer Helmut Straßburger. Arila Siegert übernimmt das Tanztheater und Daniel Lipton wird musikalischer Oberleiter. Das Orchester wird umbenannt in "Anhaltische Philharmonie Dessau" .

1993 Die "Anhaltische Philharmonie Dessau" gastiert anläßlich des 450. Jahrestages der Entdeckung Japans durch portugiesische Seefahrer in Lissabon. Am 29.01. wird in der Grabkirche Vasco da Gamas "Mosteiro des Jeronimos" die 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens aufgeführt.

1994 Das "Landestheater Dessau" wird in "Anhaltisches Theater Dessau" umbenannt.

1996 Carlos Kalmar wird Generalmusikdirektor der "Anhaltischen Philharmonie Dessau".

1999 Der aus Kuba stammende Gonzalo Galguera wird Chefchoreograph und Ballettdirektor.

2001 Golo Berg wird Generalmusikdirektor der "Anhaltischen Philharmonie Dessau". Das Musiktheater gastiert mit den von Johannes Felsenstein inszenierten Opern "Der fliegende Holländer" von Richard Wagner und "Salome" von Richard Strauss in mehreren Städten Japans.

2004 Die "Gregor Seyffert & Compagnie Berlin" und das "Anhaltische Theater Dessau" starten mit Beginn der Spielzeit 2004/05 ein Kooperationsmodell.

2005 Erste zyklische Aufführung in deutscher Sprache sämtlicher vier Opern Giuseppe Verdis nach Dramen Friedrich Schillers aus Anlass des 200. Todestages des Dichters im Mai 2005 ("Die Räuber", "Johanna d’Arc", "Louise Miller", "Don Karlos")

2009 André Bücker wird Generalintendant des Anhaltischen Theaters. Unter seiner Leitung vollzieht sich eine künstlerische Neuausrichtung und ein großer Wechsel beim Leitungspersonal. Generalmusikdirektor wird Antony Hermus. Neuer Ballettdirektor wird Tomasz Kajdanski. Neben der neuen Chefregisseurin Andrea Moses kommen ca. 50 weitere Künstler aller Sparten neu ans Anhaltische Theater.

2010 Andrea Moses' Inszenierung von Richard Wagners "Lohengrin" wird für den deutschen Theaterpreis FAUST nominiert. Und das Anhaltische Theater wird für die Spielzeit 2010/11 mit dem Kritikerpreis "Bestes Theater außerhalb der Theaterzentren" ausgezeichnet.

2012 André Bücker bringt Richard Wagners „Götterdämmerung“ zur Premiere und gibt damit den Auftakt zur ersten Inszenierung Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ seit einem halben Jahrhundert. Und Karl Thiele inszeniert anlässlich der Feierlichkeiten „800 Jahre Anhalt“ „Der alte Dessauer“ frei nach Karl May.

2013 Sabeth Braun, Dramaturgin, und David Ortmann, Regisseur und Regieassistent, übernehmen die künstlerische Leitung des Alten Theaters. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt tritt durch die Ankündigung ihrer Sparpläne, deren Umsetzung das Anhaltische Theater Dessau in seinen Grundfesten erschüttern würde, eine Welle des Protestes los.

2015 Der Internationale Richard Wagner Kongress wird in Dessau abgehalten und im Rahmen dieser Veranstaltung kommt „Der Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von André Bücker erstmals als Zyklus auf die Bühne. Johannes Weigand wird Generalintendant des Anhaltischen Theaters. Die Inszenierung Kristallpalast erhält den erstmalig ausgelobten Theaterpreis des Bundes. Die Theaterkneipe eröffnet neu unter dem Namen "Plan B".

2016 Schauspieler Karl Thiele wird mit der Stadtplakette der Stadt Dessau-Roßlau für sein beeindruckendes Bühnenschaffen geehrt. Markus L. Frank wird neuer Generalmusikdirektor.

VORSCHAU:

2016 Die Anhaltische Philharmonie begeht ihre 250. Spielzeit.