223. Spielzeit 2017/18

Puppenspiel für Menschen ab 5

König und Königin Drosselbart

Spiel mit Puppen von Ronald Mernitz

Ein König hatte eine Tochter, die war über alle Maßen schön aber auch so stolz und übermütig, dass ihr kein Freier gut genug war. Sie wies einen nach dem anderen ab und trieb noch dazu Spott mit ihnen. Der eine Freier war ihr zu dick, der andere zu lang, der nächste zu kurz. Und so hatte die Prinzessin an jedem etwas auszusetzen, besonders aber machte sie sich über einen königlichen Freier lustig, dessen Kinn ein wenig krumm gewachsen war. Also nannte sie ihn spöttisch den Drosselbart. Ihr Vater war darüber sehr zornig und schwor, sie sollte den ersten besten Bettler zum Manne nehmen, der vor die Schlosstüre käme. Und so geschah es, dass ein Bettler vor der Tür stand und die zickige Prinzessin zur Frau nahm. Dieser Bettler war natürlich der verkleidete »Drosselbart« der schnell einsehen musste, dass, mit einem „Fräulein Hochnase“ auszukommen schon schwer ist, aber noch schwieriger ist es, als ein Bettler, ohne Diener, ohne Geld und ohne eine Ahnung durch die Welt zu kommen. Also müssen der König und die Königin Drosselbart als Bettler erst einmal lernen, wie man ganz allein seinen Durst und Hunger stillt, ein Haus baut oder Geld für seinen Lebensunterhalt verdient. Das ist ein recht beschwerlicher Weg den die beiden da gehen müssen. Und je weiter sie gehen, desto näher kommen sie sich und werden vielleicht doch noch ein glückliches Paar, als der König und die Königin Drosselbart.




Vorstellungsdauer: 1h


Regie und BühnenfassungRonald Mernitz
AusstattungMatthias Hänsel
SpielUta Krieg, Pierre Beng

Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 19.02.2013

„Lang und schlank hat keinen Gang. Kurz und dick hat kein Geschick“? Nein, auch kein Weinfass, kein Zinshahn und kein rauschendes Hochzeitsfest am Ende. Vor allem wird aus dem bürgerlich patriarchalen Erziehungsmärchen des gebrochenen weiblichen Stolzes eine Geschichte vom Erlernen der Liebe. Beide sind nun in der Krise, beide brechen auf, beide gehen auf neuen Wegen (siehe auch "Die Scherben des Fürsten"). Insignien des AlltagsSchon der Titel erhebt wie ein Gleichstellungsbeauftragter die Stolze: "König und Königin Drosselbart", ein Spiel mit Puppen von Ronald Mernitz hatte am Sonntag Premiere auf der Puppenbühne des Anhaltischen Theaters Dessau. 1812 erschien der Erstdruck des Märchens in der Fassung der Gebrüder Grimm, die einzige Variante des viel tradierten Stoffes, in welcher der Vater die unschicklich stolze Tochter zur nicht standesgemäßen Hochzeit und somit zu tugendsamer Duldsamkeit zwingt. Die anderen Variationen sind angelegt wie "Der Schweinehirt" von Hans Christian Andersen. Da versteht der Freier Interessen zu wecken, da werden Grenzen überschritten, was Folgen hat.Nun betritt Helmut Parthier im königlichen Bademantel mit Nerzimitat die Bühne, trägt die Insignien des Alltags auf, beschreibt die schneewittchenfarbene Schönheit der Prinzessin und liefert eine krude Kurzfassung, in welche Uta Krieg protestierend wie ein Hofnarr einfällt und auch ein köstliches Wortspiel über Hin- und Herzog platziert. Die Freier sind nicht zu kurz, zu dick, zu krumm. Die zänkische Weiberrede zur Werbung verballhornt nun Märchenmänner aus der Grimm-Sammlung, wobei sich der Held am Ende des Rapunzelzopfes gar selbst der Prinzessin entziehen kann. Dann kommt doch der eigentliche Kandidat: "Ei, der hat ein Kinn, wie die Drossel einen Schnabel".Eher wolle sie einen Bettler ehelichen, und schon wird Drosselbart auf offener Bühne vom König zum Spielmann, indem er sich eine Socke des Königs, sprich Parthiers getragenen Strumpf zur Mütze wählt. Aufgrund des Schwurs bleibt die Hochzeit ein Stück weit selbstbestimmt. Was folgt ist vielleicht der Widerspenstigen Zähmung, aber keine männliche Domestikation der Frau durch Zwangsarbeit und öffentliche Bloßstellung. Auf geht's, immer um den Drehtisch, zänkisch und kraftvoll oder ermattet. Spielfreudig liefern die Puppenspieler die Mimik, die großen und kleinen Gesten der angenehm menschelnden Puppen. Beiden begegnen das Leben und der Alltag, dessen Mühen. Doch wer melkt die auf einem Huf stehende Ziege, wer schlachtet den Hahn? Die drei Stationen, Wald, Wiese und Stadt, werden wieder zu Stationen, die andere Märchen zitieren. Ein großes Buch als Kulisse verweist das Bühnenbild im Bühnenbild (Ausstattung Matthias Hänsel) in zweidimensionaler Künstlichkeit auf die Ordnung im Märchen, vor der sich Allzumenschliches abspielt, viel Streit und kleine Versöhnungen, die das versöhnliche Ende vorschreiben. Der Rollentausch wird auch angespielt. Parthier, sonst Drosselbart führend, generell ein Mann in den besten Jahren, singt: "Ich arme Jungfer zart, ach, hätt ich genommen den König Drosselbart!" Ankunft im Leben Weder Körbe flechten, noch spinnen muss die Prinzessin, während das irdene Geschirr nicht nur feil geboten, sondern auch hergestellt wird, von beiden in handgreiflicher Konkurrenz. Im Streit werden die großen Puppenaugen verklebt, doch bald beginnen sie, den anderen zu sehen. Formen und formen lassen, ein Stück Versöhnung ohne Ergebenheitserweise. Am Ende sitzt das Puppenpaar auf dem verwaisten Thron und ist vielleicht im Leben angekommen.