Schauspiel

Mein Kampf

Farce von George Tabori Deutsch von Ursula Grützmacher-Tabori

Premiere 8. Oktober 2016, 20 Uhr

Pass auf dich auf, Schlomo Herzl, die Liebe ist lebensgefährlich. Ist eine Liebesgeschichte zwischen Adolf Hitler und einem Juden denkbar? Diese paradoxe Frage ist Mittelpunkt der Farce Mein Kampf, die in einem Männerasyl in der Wiener Blutgasse spielt. Hier trifft der junge, gescheiterte Kunststudent Adolf Hitler auf die beiden befreundeten Juden Herzl und Lob­kowitz. Besonders Schlomo Herzl, der sich als fliegender Buchhändler mit dem Verkauf von Lutherbibeln und dem Kamasutra durchschlägt, kümmert sich väterlich um den unbeholfenen Provinzler und weiht ihn auch in sein derzeitiges Buchprojekt Mein Kampf ein. Herzls Fürsorge geht sogar so weit, dass er sei­nen Schützling zu einer neuen Karriere als Politiker ermutigt. Mit fatalen Folgen für die Weltgeschichte. 1987 hat George Tabori die Uraufführung seiner Farce selbst am Burgtheater in Wien inszeniert. Ein theatrales Ereig­nis, nicht nur weil der jüdische Dramatiker, dessen Familie Op­fer des Holocaust wurde, Tabus bricht und mit dem Entsetzen Spott treibt, um, wie er selbst erklärte, nicht an den Schrecknis­sen der Shoah zu ersticken. Viel mehr noch, Tabori schenkt uns eine ganz und gar unmögliche Liebesgeschichte, bei der Hass und Liebe, Zärtlichkeit und Gewalt, grauenhafte Realität und brüllende Komik nahtlos ineinander übergehen.



InszenierungDominique Horwitz
Bühnenbild und KostümeKatharina Sichtling
Dramaturgie Almut Fischer

Herzl Gerald Fiedler
Lobkowitz Dirk S. Greis
HitlerAndreas Hammer
Gretchen Mirjana Milosavljević
Frau Tod Christel Ortmann
Himmlisch Stephan Korves

Pressestimmen


»Ist Taboris Werk gedacht als Drama über Hitlers frühe Jahre, so ist es doch auch und vor allem ein Stück über Schlomo Herzl. Gerald Fiedler, der zum Urgestein des Dessauer Schauspiel-Ensembles zählt, verkörpert den alten Juden sehr berührend als weisen und mitfühlenden, an seinem Leben und Glauben zwar zweifelnden, aber dennoch frohgemuten Mann, der dem mal antisemitisch geifernden, mal kindlich-hilflosen Hitler in kurzen Hosen (wahnsinnig bravourös: Andreas Hammer) seinen Zuspruch nicht versagt [...]. Lobkowitz (abgeklärtbis zynisch: Dirk S. Greis) freilich verstört die Zuwendung, die Schlomo Herzl Hitler zuteil werden lässt [...]. Wer auch über Hitler in Seppelhosen lachen möchte, der schaue sich in Dessau Dominique Horwitz' gelungene Inszenierung mit einem großartigen Gerald Fiedler an!«
Kai Agthe, Mitteldeutsche Zeitung, 11.10.2016. ganze Kritik lesen