223. Spielzeit 2017/18

Musikalische Schnitzeljagd

Musikalische Entdeckungstour für Schulklassen

Für Kinder bietet die Anhaltische Philharmonie im Oktober dreimal die „Musikalische Schnitzeljagd“ an. Die Musiker der Anhaltischen Philharmonie spielen in einzelnen Instrumentengruppen an unterschiedlichen Orten im Theater. Die Kinder lernen die Instrumente kennen und erleben, wie sich der Orchesterklang aus den verschiedenen Instrumenten zusammensetzt!


DAUER: 90 Minuten
KOSTEN: 5,- € pro Kind, 9,- € pro Erwachsender, ermäßigt 7,50 €. Schülergruppen: 4,- € pro Schüler
[Beschränkte Teilnehmerzahl, wir bitten um rechtzeitige Anmeldung!]



Orchester zum Greifen nah Mitteldeutsche Zeitung, 29.4.2010

GMD Antony Hermus lädt Kinder zur musikalischen Schnitzeljagd
VON FRANZ WERFEL
DESSAU/MZ – Wann wurde je Grundschülern anspruchsvolle Opernmusik so unmittelbar nahe gebracht? Jegliche „Durchgang verboten!“-Schilder im Bühnenbereich des Anhaltischen Theaters geflissentlich übergehend, Bühnentechnikern, beim Einstellen der Züge und Scheinwerfer sowie Malern und Tischlern bei ihrer Arbeit zusehend, begaben sich am vergangenen Montagvormittag rund 40 Dessauer Schüler auf eine spannende Schnitzeljagd. Angeleitet wurden sie von Generalmusikdirektor Antony Hermus, der dieses besondere Vermittlungskonzert – welch klares, wichtiges Bekenntnis! – kurzerhand zur Chefsache erklärt hatte. Als „Paten“ standen ihm die Theaterpädagogin Imme Heiligendorff und der Musikdramaturg Ronald Müller zur Seite.
Die Schüler „jagten“ den einzelnen Instrumentenstimmen der Ouvertüre von Georges Bizets „Carmen“ nach und staunten, wie am Ende jedes Instrument hörbar seinen Ort im Werk einnahm. „Oft gehen unsere Musiker ja direkt in die Schulen. Mit der Schnitzeljagd wollten wir die Kinder auch einmal in unser Großes Haus einladen“, erklärte Hermus.
Diese folgten dankbar der Einladung und lauschten zu Beginn der Streichergruppe, die, unterstützt von den Schlagzeugern, im großen Probensaal eine erste Hörprobe aus der Ouvertüre zum Besten gab. Violinistin Katja Wallraf erläuterte den gespannten Kindern die einzelnen Streichinstrumente, wies auf Unterschiede in Bauart und Tonumfang hin. Und die beiden Bassisten rockten spontan „Smoke On The Water“ auf ihren tiefen Streichinstrumenten. Bei den Schlagwerken sorgten besonders das unterschätzte Gewicht der großen Becken und die in der Tonhöhe per Pedal verstellbaren Pauken für Verwunderung. Als Dirigent Hermus überraschend Pult und Taktstock der neunjährigen Chanel überließ, waren ihr Freude (und für einen Moment auch Aufregung) ins Gesicht geschrieben. Wie es sich gehört, folgten die Musiker aufmerksam dem Tempo der kleinen Dirigentin, auch wenn ihre Arme gegen Ende des kurzen Stückes schwerer wurden. Vorbei am Malsaal, in dem einer gefiederten Eule bei ihrer Genese für die nächste Schauspielpremiere „Carmen Kittel“ zugeschaut werden durfte, gelangten die jungen Zuhörer in den Chorprobensaal. Dort hatten sich die Blechbläser bereits eingerichtet und schmetterten ihren Carmen-Part. Nur der Tubist fehlte, wie die aufmerksamen Kinder sofort bemerkten, aber: „Der hat heute frei, der arbeitet sonst immer schon so viel“, scherzte ein Kollege, bevor er von den Schwierigkeiten einer Musikerlaufbahn und der damit verbundenen Übungsdisziplin, gerade in jungen Jahren, berichtete. Auch die Chemie kam nicht zu kurz, denn en passant lernten die Viertklässler noch, dass Gold ob seiner weicheren Beschaffenheit einen wärmeren Klang als Silber hat.
Barfuß machten es sich die Kinder anschließend im Ballettsaal gemütlich, in dem die Holzbläser ihre Melodien und Instrumente vorstellten, wobei jeder Musiker darauf hinwies, dass selbstverständlich sein Instrument das schönste sei. Zum Abschluss der eineinhalbstündigen Schnitzeljagd fanden alle Kinder und Musiker im großen Probensaal zusammen. Die jungen Zuschauer durften nun heben ihren Lieblingsinstrumenten Platz nehmen – eng ging es vor allem bei den Schlagwerken und Kontrabässen zu. Diesmal dirigierte Hermus selbst, und der jetzt wieder zusammengesetzte Klangkörper Orchester konnte seine volle Schönheit und Kraft entfalten. Zurück blieben begeisterte Schüler und Lehrer sowie die offene Frage, warum so wenige Schulen an dieser genialen Musikvermittlung der anderen Art teilnahmen.