222. Spielzeit 2016/17

Schauspiel

Nathans Kinder

Jugendstück von Ulrich Hub

Premiere 17. März 2017

Gebt endlich Frieden! Für Recha und Kurt ist es die merk­würdigste Nacht ihres Lebens und vielleicht zugleich die schönste: Erst entkommt Kurt, den sicheren Tod bereits vor Augen, seiner Hinrichtung, und kurz darauf rettet er Recha aus einem brennenden Haus. Kein Wunder, dass die beiden sich verlieben. Eine wunderschöne Liebesgeschichte – könnte es sein. Wäre Kurt nicht ein Kreuzritter und Recha ein jüdisches Mädchen. Und spielte die Geschichte nicht in Jerusalem. Wie in keiner anderen Stadt begegnen sich hier Christen, Juden und Moslems auf engstem Raum und streiten darüber, wessen Gott der wahre Gott ist und wem die Stadt gehört. Die Stadt ist ein Pulverfass, und jeder will jedem an den Kragen. Der Bischof dem Sultan, der Sultan dem Bischof und beide gemeinsam Rechas Vater, dem Juden Nathan. Bei dieser Auseinanderset­zung scheint jedes Mittel recht, denn die Vorurteile zwischen den Anhängern der Religionen sitzen tief. Als die Fehde zwischen Sultan, Bischof und Nathan zu eskalieren droht, bittet Recha ihren Vater, die Ringparabel zu erzählen. Ulrich Hubs Stück, das feinfühlig Motive aus Lessings Nathan der Weise aktualisiert, wurde 2009 uraufgeführt. Es treibt den großen Konflikt um Glauben und Menschlichkeit auf die Spitze.



Inszenierung Jana Vetten
Bühnenbild und KostümeMoritz Nitsche
DramaturgieAlmut Fischer

NathanSven Brormann
RechaMirjana Milosavljević
KurtAndreas Hammer
SultanStephan Korves
BischofGerald Fiedler

»Jerusalem ist der Schauplatz, Recha, Nathans Tochter, und ein junger Kreuzritter namens Kurt sind die Protagonisten — gespielt von Mirjana Milosavljević und Andreas Hammer. Beide überzeugen ebenso in ihren Rollen wie die zuvor Genannten [Stephan Korves (als Sultan), Sven Brormann (als Nathan) Gerald Fiedler (als Bischof)]. Es geht um gegenwärtige Dinge in dieser Inszenierung von Jana Vetten. Sie hat das sehr nachvollziehbar, mit mehr Frische als Pathos realisiert. […] Hier, in Ulrich Hubs Nathan-Adaption, sind es zwei junge Liebende, die selbstbewusst, wenn auch zaudernd, die Grenzen übertreten, die den Alten als unübertretbar gelten. Am Ende wird Nathan zwar die Lessingsche Ringparabel vortragen, der Sultan und der Bischof lassen sich sogar ein darauf, des einen Glauben sei so viel wert wie der des anderen. Doch sie glauben nicht daran. Es geht also gut aus, aber mit ungewissen Aussichten. Sehr realistisch. Dafür kann auch die auf Kurts Geheiß vom Publikum gebildete Menschenkette zu Recht und herzlich applaudieren.«
Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 20.3.2017