Oper

Otello

Musik von Giuseppe Verdi
Libretto von Arrigo Boito nach William Shakespeares Tragödie »Othello, der Mohr von Venedig«
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere 16. September 2017, 19 Uhr

Otello übernimmt das Kommando der venezianischen Flotte in der Verteidigung Zyperns, um sich der Hochzeit mit Desdemona, einer Venezianerin aus altem Adel, würdig zu erweisen. Er gewinnt die maßgebliche Schlacht, darf seine geliebte Desdemona als Gattin in die Arme schließen und wird für seine Verdienste um die Seerepublik gefeiert. In diesem Moment des Glücks fällt der neidvolle Blick Jagos auf ihn. Jago hat keine Karriere gemacht, er ist Fähnrich geblieben. Der verbitterte Zyniker setzt seine Menschenkenntnis und seine Intelligenz, die ihm nie Glück und Erfolg beschert haben, dazu ein, Otello zu zerstören. Es gelingt Jago, mit der Eifersucht, die er in Otello entfacht, einen Keil zwischen Desdemona und Otello zu treiben. Innerhalb kurzer Zeit fällt alles in sich zusammen, was Otello sich und seiner Umwelt abgerungen hat.

Eigentlich wollte Giuseppe Verdi nach Aida keine Opern mehr schreiben. Doch seinem unermüdlichen Verleger Giulio ­Ricordi und dem genialen Arrigo Boito, einem Dichter und Komponistenkollegen, gelang es, den Siebzigjährigen davon abzuhalten, auf seinem geliebten Landgut Sant’Agata die Früchte seines Ruhmes zu genießen. Mit Shakespeares Othello und dem ­Libretto, das Boito daraus erarbeitet hatte, lockten sie Verdi zurück ins Theater. Otello wurde ein Meisterwerk von äußerster dramatischer Dichte und psychologischer Präzision. Die Oper ist eine Explosion von dramatischen und musikalischen Ereignissen, die trotz aller Schau- und Hörlust den Blick direkt in das Innere der Menschen lenkt. So wird Verdis große, vorletzte Oper nach 21 Jahren wieder in Dessau inszeniert.

Die Produktion Otello wird großzügig unterstützt durch die AHLSA GmbH.



Musikalische Leitung Markus L. Frank
Inszenierung Roman Hovenbitzer
Bühne Hermann Feuchter
Kostüme Judith Fischer
Chorleitung Sebastian Kennerknecht
KinderchorDorislava Kuntscheva
DramaturgieFelix Losert

Otello, Mohr, Befehlshaber der venezianischen FlotteRay M. Wade, Jr.
Jago, FähnrichKS Ulf Paulsen
Cassio, HauptmannKwonsoo Jeon
Rodrigo, edler VenezianerDavid Ameln
Ludovico, Gesandter der Republik VenedigMichael Tews
Montano, Vorgänger Otellos in der Statthalterei von ZypernKostadin Argirov
Ein HeroldTomasz Czirnia/Cezary Rotkiewicz
Desdemona, Otellos GemahlinKS Iordanka Derilova
Emilia, Jagos GattinRita Kapfhammer

Opernchor des Anhaltischen Theaters Dessau
Extrachor des Anhaltischen Theaters Dessau
Kinderchor des Anhaltischen Theaters Dessau
Anhaltische Philharmonie Dessau


»Markus Frank, der Musikchef des Anhaltischen Theaters hat sie [die Musik] mit beeindruckender Präzision und unerbittlicher Schärfe und Dramatik zum Klingen gebracht. Die Anhaltische Philharmonie war in Topform gestern Abend. Sie folgt der Rasanz und Leidenschaft der Lesart Franks ohne Wenn und Aber. [...] Markus Frank hat das Orchester und auch die von Sebastian Kennerknecht hervorragend einstudierten Chöre […] bestens im Griff. Chapeau! So eine hervorragende Aufführung dieses doch sehr anspruchsvollen Stücks erlebt man selten! [...] Der schwarze Tenor Ray Wade ist ein Glücksfall von Otello. [...] Ulf Paulsen verleiht mit seinem sehr eigenwilligen Bariton dem teuflischen Intriganten Jago, Inbegriff des Bösen und Zerstörerischen eindrucksvolles Profil […].
Bewundernswert finde ich Iordanka Derilova als Desdemona. […] Sie ist eine hochdramatische Sopranistin. Aber wie belcantisch, wie anrührend und kultiviert sie diese unschuldig des Treuebruchs verdächtigte und von ihrem Ehemann ermordete Desdemona singt, das nötigt Respekt ab. Das Publikum hat sie zu Recht gefeiert. Wie überhaupt die ganze Aufführung gestern Abend in großem Jubel des Publikums ausklang.«

Dr. Dieter David Scholz, MDR Kultur, 17.9.2017. Zur gesamten Kritik


»Intonationsrein, präzise und in der größten Fülle homogen sind die von Sebastian Kennerknecht und Dorislava Kuntscheva einstudierten Gruppen des Opern-, Extra- und Kinderchors. Auch Generalmusikdirektor Markus L. Frank wird gefeiert. […] Alle mit Ausnahme des […] feintimbrierten Kwonsoo Jeon als Cassio gehören zum hauseigenen Ensemble. Dessau, eine vokale Schatztruhe. […]
Ray M. Wade, jr. ist kein dunkel bronzener ›Baritenore‹, sondern erobert sich den Otello von seinen metallischen Höhen nach unten in die gut konditionierte Tiefe. Er hat Fülle für ›Addio per sempre‹ und den Racheschwur, auch den langen Atem für den Monolog. […] Er braucht keine Ökonomie, um durch die Partie zu kommen, weil er und seine Partner den für späten Verdi genau richtigen Energiehaushalt einsetzen können. Bei den beiden anderen ist der musikdramatische Wandlungs- und Gestaltungsreichtum phänomenal. [...] Ein Jago, der ›singt und nur singt‹, wie Verdi von Interpretinnen der Desdemona fordert. Und das hier natürlich auch bekommt: Es war klar, dass Iordanka Derilova die großen Bögen Desdemonas bravourös meistern würde. Doch sie hat noch weitere Trümpfe in der Kehle. […] Ganz ohne Manierismen hört man von Iordanka Derilova farbintensive Vokallinien auf der Basis einer souverän beherrschten und emotional veredelten Belcantogrammatik. Zweifellos: Der Abend hatte sängerische Größe.«

Roland H. Dippel, nmz, 18.9.2017. Zur gesamten Kritik


»Riesenbeifall für Paulsen, den ersten, stets viel geforderten Bariton des Hauses, der mit dieser Partie [Jago] seinem Rollenregister eine neue große Figur zugeführt hat. […] Rita Kapfhammer als gouvernantenhafte und doch vitale Emilia ist wieder ein Pluspunkt des Dessauer Ensembles, zu dem der von Sebastian Kennerknecht und Dorislava Kuntscheva geleitete Dreifachchor aus Normalformation, Extrachor und Kindertruppe gehört. Und über das Orchester, die Anhaltische Philharmonie Dessau, wäre zu sagen, dass sie unter Markus L. Frank einen grundsoliden Verdi spielte, der den Kontakt zu den Sängern nicht verlor.
Desdemona gewinnt, rein stimmlich betrachtet, in Dessau ab dem 3. Akt eine Fahrt, die nicht mehr aufzuhalten ist. [...] Das Lied an die Weide und das Ave Maria, auch ihre Abschiedsworte: das war ergreifendes, großes Kino […]. Ergreifend: das ist auch der Otello des Ray M. Wade. […] Die Möglichkeiten seines Heldentenors reizt er dort aus, wo sie gefordert sind: zuerst im ›Esultate‹, dann im verzweifelten Abschied von einstigem Ruhm. [...] Mit anderen Worten: Wer nach Dessau reiste, um diesen fein nuancierenden, über gewaltige Mittel verfügenden Sänger zu erleben, der doch das Lyrische kann und liebt, wurde nicht enttäuscht.«

Frank Piontek, deropernfreund.de, 18.9.2017. zur gesamten Kritik


»Dem Team um Roman Hovenbitzer (Inszenierung) und Markus L. Frank (musikalische Leitung) ist ein großer Wurf gelungen. […] Der zynische Fähnrich Jago – Ulf Paulsen gibt ihn als derart diabolischen Meister der Fake News, dass Mephisto seine höllische Freude gehabt hätte – webt eine gespenstische Faser. Der Stoff wird zum Lügentuch, welches Otello, den Löwen Venedigs auf der Insel Zypern, im Zusammenbruch bedeckt. […] Ray M. Wade, Jr. – zwischen lyrischer Zugewandtheit und rüder Ablehnung schwankend – wirkt in der Titelpartie wie ein Mann, der nur zu begierig in die ihm gestellten Fallen tappt. […] Jago […] reicht ihm noch die Waffe zum Selbstmord. […] Dem pessimistischen Schluss folgt gleichwohl der Jubel im Saal.«

Andreas Behling, Zerbster Volksstimme, 19.9.2017.


»Was Markus L. Frank am Pult und Regisseur Roman Hovenbitzer zur Verfügung haben, ist schlichtweg erstklassig und garantiert allein schon, dass der Funke überspringt […]. Stimmlich ist dieser ›Otello‹ überwältigend. Alle übrigen Protagonisten und der Chor ziehen mit und die Anhaltische Philharmonie ist unter Leitung ihres Generalmusikdirektors in Hochform. […] Am Ende sind Desdemona und Otello tot, die Bühne ist schwarz und das Publikum hell begeistert.«
Joachim Lange, Mitteldeutsche Zeitung, 25.9.2017