223. Spielzeit 2017/18

Schauspiel

Winterreise

von Elfriede Jelinek

»Was zieht da mit, was zieht mit mir mit, was zieht da an mir?« Mit ihrer Winterreise hat die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek 2011 eine Hommage auf ihren Lieblingskomponisten Franz Schubert vorgelegt – und damit zugleich auch die berühmten Verse des Dessauer Dichters Wilhelm Müller in den Blick genommen. Dabei ist dieser Text, wie immer bei der erfolgreichsten deutschsprachigen Dramatikerin der Gegenwart, alles andere als eindeutig und linear. Elfriede Jelinek verhandelt das Private ebenso wie das Politische, Müllers Gedichte klingen nur mehr wie ein romantisches Echo durch die vielschichtig verhandelte Gegenwart.
In diesem labyrinthischen Gebilde, das im Jahr seiner Uraufführung mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet und seither mehr als 20 Mal inszeniert wurde, muss jeder Interpret seinen eigenen roten Faden finden. Dabei stößt man auch auf entlarvende und scharfzüngige Passagen, in denen zwischen Parodie und Pathos sehr unterschiedliche, oft überraschende Töne angeschlagen werden.
Das Leitmotiv des Fremdseins, das Wilhelm Müller mit seinen berühmten Anfangszeilen etabliert hat, ist dabei ein hilfreicher Fingerzeig. »Fremd eingezogen, fremd ausgezogen, die Leier drehend, immer dieselbe Leier, immer dasselbe?«, heißt das bei Jelinek – eine Befragung der eigenen Arbeit und ein schonungsloser, mitunter ironischer Blick auf das menschliche Streben nach Bedeutung.

Aufführungsdauer: ca. 90 Minuten — keine Pause


Am 11. Oktober war das Stück Thema bei der Theaterpredigt in der Kirche St. Johannis.
Die Predigt von PROF. DR. ALEXANDER DEEG kann man hier nachlesen.




Szenische Einrichtung und AusstattungRalf Siebelt
Dramaturgische BeratungAlmut Fischer

MitwirkendeChristel Ortmann/Katja Sieder/Stephan Korves/Sebastian Müller-Stahl/Oliver Seidel

Pressestimmen


„ Es war ein wortgewaltiger Auftakt – und ein äußerst gelungener. [...] Die Inszenierung von Regisseur Ralf Siebelt und Dramaturgin Almut Fischer hat den Text in fünf Stimmen übersetzt und aus dem vermeintlichen Monolog eine Mehrstimmigkeit ganz unterschiedlicher Tonalitäten entwickelt. [...] Der verdiente Applaus setzt ein. Aber Antworten muss jeder für sich selbst finden.“

Mitteldeutsche Zeitung, 06.10.2015 ganzen Artikel lesen